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Textilien

Am Beispiel von Textilien lässt sich besonders deutlich erkennen, wie eng Chancen und Probleme von Nano-Anwendungen zusammenhängen. Einerseits ermöglicht Nanotechnologie, neue Produkte und Verfahren zu entwickeln, die Leben retten, unsere Gesundheit schützen sowie Alltag und Freizeit angenehmer gestalten. Andererseits gibt es immer wieder Bedenken wegen möglicher Risiken für die Gesundheit und die Umwelt.

Materialien und Anwendung

Zum Einsatz kommen verschiedene Nanomaterialien, die unterschiedliche Funktionen erfüllen sollen. Besonders häufig werden Silber, Titandioxid, Zinkoxid und Siliziumdioxid verwendet.

Nanoskalige Silberpartikel in Sportkleidung und anderen Kleidungsstücken sollen als „antimikrobielle Ausrüstung“ unangenehme Körpergerüche unterdrücken, indem sie die dafür verantwortlichen Bakterien bekämpfen. Die silberhaltigen Kleidungsstücke sollen außerdem helfen, die Verbreitung von Krankheitserregern zu erschweren. Daher werden sie u. a. in Socken für Diabetiker eingesetzt, um Infektionen vorzubeugen. Die Erkrankung ist häufig mit einer schlechten Wundheilung und sogenannten „offenen Füßen“ verbunden.

Der keimtötende Effekt beruht auf den sich herauslösenden Silberionen, die gegen Bakterien und andere Mikroorganismen wirken. Nanosilber gilt daher als Biozid und unterliegt speziellen rechtlichen Regelungen. Auf dem Etikett oder den Verpackungen ist anzugeben, wenn Textilien und andere Waren Biozide wie Nanosilber enthalten. 

Nanosilber befand sich seit längerem in der Wirkstoffbewertung im Rahmen des EU-Altwirkstoffprogrammes für Biozide. Daher wird es derzeit auf der Basis von Übergangsregelungen angewendet. Jedoch hat die Europäische Kommission im August 2021 bekannt gegeben, dass Nano-Silber u.a in Textilien künftig nicht mehr verwendet werden darf. Die Regelungen gelten ab August 2022 mit einer Übergangsfrist bis Februar 2023. 

Die als „Reaktionsmasse von Titandioxid und Silberchlorid“ bezeichnete Verbindung, die z. B. in Funktionskleidung eingesetzt wird, ist ebenfalls ein biozider Wirkstoff, der sich noch in der Überprüfung befindet. Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein Nanomaterial.

Nanobeschichtete Baumwollfasern; Bild: Pressefoto BASF




In Shirts, Bademoden und Berufsbekleidung werden häufig Nano-Titandioxid-Partikel als eine Art integrierter UV-Schutz verwendet. Die Teilchen reflektieren das UV-Licht und verhindern, dass es auf die Haut trifft. Nano-Titandioxid wirkt als Beschichtung für Textilien zudem schmutz- und wasserabweisend. Ähnlich wie Nano-Silber haben Nano-Titandioxid und -Zinkoxid antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften. Jedoch sind sie für einen solchen Einsatz bisher nicht zugelassen und dürfen daher nicht entsprechend beworben werden. 

Für schmutzresistente, wasser- und fettabweisende Oberflächen, z. B. bei Markisen, Sonnenschirmen, Zelten, Polsterbezügen oder Arbeitskleidung kann eine Beschichtung mit nanofeinem Siliciumdioxid sorgen. Nanoskalige Aluminiumverbindungen und nanokleine Ton-Partikel bringen mehr Stabilität in Schutzkleidung und bewirken, dass die Fasern weniger leicht brennbar sind. 

Mögliche Risiken

Nanofasern in Textil; Bild: Pressefoto BASF

Bei der Frage nach möglichen gesundheitlichen Belastungen ist entscheidend, wie fest die Nanomaterialien in den Textilien gebunden sind, ob sie sich herauslösen können und in welchem Umfang. Außerdem geht es um die Wirkung der Substanzen selbst, d. h. ob sie möglicherweise in die Haut aufgenommen werden und wie sie sich dort verhalten. 

Die Nanomaterialien können entweder direkt in die Fasern integriert oder über eine Beschichtung auf die Faseroberfläche aufgebracht werden. In jedem Fall sollen sie an Ort und Stelle ihren Dienst tun und die Textilien über einen längeren Zeitraum mit besonderen Eigenschaften ausstatten. Informationen darüber, wie die Ausrüstung mit Nanomaterialien im Einzelfall erfolgte und wie beständig sie ist, können Verbraucherinnen und Verbraucher bei den Herstellern erfragen. 

Untersuchungen des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) mit nano-silberhaltiger Funktionskleidung ergaben beispielsweise, dass bei dem erstgenannten Verfahren weniger Nano-Silberpartikel abgegeben wurden. Beschichtungen mit Nano-Siliciumdioxid, die u. a. bei Markisen oder Polsterbezügen eingesetzt werden, sind dauerhaft fest mit der Faser verbunden. Zwar kann es durch den Gebrauch zu Abrieb am Stoff kommen – dabei werden jedoch nicht einzelne Nanopartikel, sondern stets Fasern frei. Für den Nutzer ist somit ein gesundheitliches Risiko nicht zu erwarten.

Hautverträglichkeit

Nach Angaben der Experten des Projektes DaNa4.0 (www.nanopartikel.info) gibt es bei nano-silberhaltiger Kleidung bisher keine Hinweise auf schädliche Effekte auf die Haut oder allergische Reaktionen. Untersuchungen zur Anwendung von Nano-Silber direkt auf der Haut, z. B. in Wundauflagen, zeigten, dass es zu leichten Hautreizungen kam. 

Diskutiert wird außerdem, ob sich Nano-Silber negativ auf die Bakterienflora der Haut auswirken kann. Das ist nach Informationen des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) bislang nur unzureichend erforscht - ebenso wie die Entwicklung von möglichen Resistenzen von Bakterien. Daher rät das BfR nach wie vor, auf den Einsatz von Nano-Silber in verbrauchernahen Produkten wie Textilien und Haushaltsgegenständen zu verzichten, bis diese Fragen geklärt sind

Nano-Titandioxid und Nano-Zinkoxid gelten als gut hautverträglich. Gesundheitliche Gefahren sind nach Informationen der Wissensplattform www.nanopartikel.info auch dann nicht zu erwarten, falls geringe Mengen der Substanzen über kleinere Hautverletzungen in die Haut oder die Blutbahn gelangen sollten. 

Keine Kennzeichnungspflicht

Eine allgemeine Kennzeichnungs- oder Registrierungspflicht für Textilien, die unter Anwendung der Nanotechnologien hergestellt wurden, existiert bislang nicht. Mehr zu diesem Thema bei Recht - Kennzeichnung.

Die Hohenstein-Institute, ein Forschungszentrum in Bönnigheim, haben ein Qualitätslabel für Nanotextilien entwickelt, das unter anderem die Scheuer- und die Waschbeständigkeit der Nanobeschichtung bei Textilien untersucht und zertifiziert. Die Untersuchung ist allerdings freiwillig und wird bislang nur von wenigen Unternehmen genutzt.

Mehr erfahren

"Dem Nanosilber in Textilien auf der Spur" - Bildreportage über die Arbeit der Hohenstein Institute in Boennigheim
"Nanovlies kann Pollen aufhalten" - Bildreportage über Vliesstoffe, die allerkleinste Teilchen aufhalten
"Kleines Extra, große Wirkung" - Bildreportage aus den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung
Einsatz von Nano-Silber und anderen Nanomaterialien im Haushalt
Umweltwirkungen von Nano-Silber und anderen Nanomaterialien
"Umweltschäden von Anfang an vermeiden", Interview mit Dr. Rolf Buschmann (BUND)

Informationen über in Textilien eingesetzte Nanomaterialien bieten:
Broschüre „Synthetische Nanomaterialien im Abfall“ der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW)
Beitrag „Nanopartikel in Textilien“ der Wissensplattform des Projektes DaNa4.0.

(Stand: Dezember 2021)

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