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E 171 ist kein Nanomaterial – EFSA schlägt Spezifikation vor

Im Jahr 2016 urteilte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), der Lebensmittelzusatzstoff Titandioxid E 171 sei kein Nanomaterial im Sinne des Lebensmittelrechts. Zugleich empfahl sie sehr deutlich, die Partikelgröße und Partikelgrößenverteilung in die Spezifikation des weit verbreiteten Farbstoffs aufzunehmen. Seit dem 12. Juli 2019 liegt nun ein entsprechender Vorschlag vor.
 

Um zu der empfohlenen Spezifikation für E 171 zu kommen, forderte die EFSA im Jahr 2016 die Industrie auf, entsprechende Daten zu liefern. Drei Unternehmen kamen dieser Aufforderung nach. Sie sind die einzigen, die derzeit in der EU Titandioxid in Lebensmittelqualität herstellen und konnten Daten für insgesamt sechs E 171-Produkte beibringen. Nach Auswertung dieser Daten schlägt die EFSA nun vor, in den Eigenschaften von E 171 die Partikelgröße auf größer als 100 nm festzulegen. Zugleich sollen weniger als 50 % der Partikel kleiner als 100 nm sein. Beide Werte sollen anhand des Medianwertes der minimalen Feret-Durchmesser, gemessen mit dem Elektronenmikroskop, ermittelt werden. Damit würde das, was heute in der Herstellung Praxis ist, Teil der rechtsverbindlichen Beschreibung von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff E 171.
 

Ermittlung des Feret-Durchmessers. Skizze MLR/Laura Gross
Die Folgen

Die Spezifikationen beschreiben ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften. Darüber hinaus werden die Methoden angegeben, mit denen diese Eigenschaften ermittelt werden müssen. Denn nur wenn alle Beteiligten die gleichen Messmethoden verwenden, sind auch ihre Ergebnisse vergleichbar. Die Zulassung und die dabei vergebene E-Nummer gelten ausschließlich für solche Stoffe, die all diese Bedingungen erfüllen. Dass für Titandioxid nun auch die Partikelgröße und ihre Verteilung aufgenommen werden könnte, wäre daher gleich doppelt wichtig: Zum einen ist nun jeder Hersteller daran gebunden, wenn der Stoff in Europa auf den Markt kommen soll. Und zum anderen wäre damit klar gestellt, dass Titandioxid E 171 nicht als Nanomaterial gekennzeichnet werden muss. Das wäre nur der Fall, wenn mehr als die Hälfte der Partikel größer als 100 nm wären (mehr zur Kennzeichnung hier).
 

Hintergrund

In ihrer Neubewertung von E 171 fehlten der EFSA im Jahr 2016 noch Daten, um abschließend bestimmen zu können, ob der weiße Farbstoff als Nanomaterial gelten und damit gekennzeichnet werden müsste. Auf der Basis der damals vorhandenen Informationen wurde dies allerdings verneint. Die oberste europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfahl aber zugleich, Partikelgröße und Partikelgrößenverteilung in die Spezifikation für E 171 aufzunehmen, um Klarheit und Rechtssicherheit zu schaffen. Die Industrie wurde aufgefordert, die dafür nötigen Daten zu liefern.

Dieser Aufforderung kamen drei Unternehmen nach. Es sind die einzigen, die in der EU lebensmitteltaugliches Titandioxid herstellen. Sie lieferten Daten für insgesamt sechs marktübliche E 171, aus denen sich Genaueres über die Beschaffenheit des Zusatzstoffes ableiten lässt: So ist das lebensmitteltaugliche Titandioxid weder oberflächenbehandelt noch ummantelt. Es besteht entweder aus den Titandioxid-Formen Rutil oder Anatas, die sich jeweils im Aufbau ihrer Kristallgitter unterscheiden.

Die sechs E 171-Produkte wurden mit Hilfe verschiedener Verfahren charakterisiert und auf ihre Partikelgröße untersucht. Die verschiedenen Messungen ergaben, dass der Medianwert der jeweils kleinsten Abmessung der Partikel (minimaler Feret-Durchmesser) der untersuchten E 171 zwischen 104 und 166 nm lag. Der Anteil der Partikel, die kleiner als 100 nm maßen, lag zwischen 11,4 und 45,6 %.
 

Es bleiben Fragen

Nach derzeitiger Rechtslage ist Titandioxid E 171 demnach kein Nanomaterial. Es muss also weder als solches gekennzeichnet werden, noch müsste es die zusätzlichen Auflagen für die Sicherheitsbewertung von Nanomaterialien erfüllen. Doch der kleinste Wert für den Medianwert der minimalen Feret-Durchmesser lag bei 104 nm, also sehr dicht an der alles entscheidenden 100 nm-Grenze; selbst der größte gemessene Wert liegt mit 166 nm nicht weit davon entfernt. Und offenbar kann auch der Anteil der durchaus auch vorhandenen Nanopartikel in E 171 sehr dicht an die 50 % kommen. Das wirft ein grelles Licht auf die Schwellenwerte von 100 nm und 50 %, an die alle Rechts- und Kennzeichnungsfolgen gebunden sind. Für die Kennzeichnungspflicht mögen sie hilfreich sein. Ob es aber sinnvoll ist, die nano-spezifische Sicherheitsbewertung ebenfalls an diesen Grenzen auszurichten, wird sich noch zeigen müssen.
 

Mehr zu der Frage, wie "nano" Zusatzstoffe sind, haben wir Ihnen in der Rubrik Lebensmittel zusammengestellt.

Die Empfehlung der EFSA im Wortlaut (englisch); oder im Internet unter: https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.2903/j.efsa.2019.5760 

 

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