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Die EU-Kosmetik-Verordnung

Die Europäische Kosmetik-Verordnung sieht all jene Stoffe als Nanomaterialien an, die absichtlich hergestellt wurden, unlöslich oder biologisch beständig sind und in mindestens in einer Ausrichtung (Länge, Breite oder Höhe) zwischen 1 und 100 Nanometer (nm) groß sind.

Zulassung

Farbstoffe, Konservierungsstoffe und UV-Filter dürfen in kosmetischen Mitteln nur dann eingesetzt werden, wenn sie ausdrücklich für die jeweilige Anwendung zugelassen sind. Dies gilt auch für neue „Nano-Rohstoffe“ aus diesen Gruppen. Diese müssen also eine Sicherheitsbewertung durchlaufen. Und auch wenn Stoffe, die bereits zugelassen sind, nun verändert und nanoskalig eingesetzt werden, müssen noch einmal neu bewertet und zugelassen werden. So wurden auch die seit vielen Jahren bereits verwendeten UV-Filter Titandioxid und Zinkoxid hinsichtlich ihrer Eigenschaften als Nanomaterial nochmals intensiv untersucht und vom zuständigen wissenschaftlichen Ausschuss der Europäischen Kommission (SCCS) bewertet.

Nanomaterialien, die zu anderen als den genannten Zwecken in kosmetischen Mitteln eingesetzt werden – wie zum Beispiel Nano-Siliciumdioxid als Putzkörper oder Poliermittel müssen nicht eigens zugelassen werden. Allerdings müssen sie der EU-Kommission in gemeldet werden. Zu dieser Meldung gehören zwingend alle Informationen zu Größe, Ummantelung, zu den Eigenschaften, dem toxikologischen Profil und die Sicherheitsdaten. Sollte die Kommission Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Nanomaterialien haben, kann sie den SCCS auffordern, eine Stellungnahme abzugeben.

Die Anforderungen an die Nanomaterialien bezüglich Reinheit, Zusammensetzung, Beschichtungen, Verunreinigungen und Partikelgröße sind in den Anhängen der EU-Kosmetikverordnung genau beschrieben. Nur Nanomaterialien, die diese Eigenschaften besitzen, gelten als zugelassen. In Sprays dürfen Nanomaterialien generell nicht eingesetzt werden.

Derzeit sind drei Nanomaterialien als UV-Filter zugelassen: Titandioxid (nano), Zinkoxid (nano) und Tris-biphenyl triazine (nano) sowie ein Nano-Farbstsoff: Carbon black (nano). MBBT(nano) wird in der nächsten Änderungsverordnung der EU-Kosmetikverordnung als UV-Filter zugelassen.

Kennzeichnung

Die Verantwortung dafür, dass Sonnenmilch, Hautcreme und Co. sicher sind, trägt der Hersteller. Er hat auch dafür zu sorgen, dass alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung aufgeführt sind. Für die Nanomaterialien unter ihnen gilt eine zusätzliche Pflicht: Sie müssen deutlich als "(nano)" hervorgehoben werden. Der Gesetzgeber will Verbrauchern auf diese Weise zu erkennen geben, wo er auf Nanomaterialien trifft, damit er das in seine Kaufentscheidung einbeziehen kann. Mehr zur Kennzeichnung finden Sie hier.

Überblick europaweit

Alle Kosmetik-Hersteller sind verpflichtet, die genaue Zusammensetzung ihrer Produkte an die Europäische Kommission zu melden. Das geschieht im "Cosmetic Products Notification Portal" CPNP der EU. Im Rahmen dieser Meldung müssen die Hersteller auch angeben, ob und welche Inhaltsstoffe als Nanomaterial eingesetzt werden. Auf diese Datenbank haben nur die Industrie, die Giftnotrufzentralen und die zuständigen Überwachungsbehörden Zugriff.

Öffentlich zugänglich sollte dagegen der „Katalog der Nanomaterialien in kosmetischen Mitteln“ sein, den die Europäische Kommission veröffentlicht. Für den Laien ist er bislang allerdings kaum selbst zu finden. Er ist kein Verzeichnis der zugelassenen Nanomaterialien, sondern gibt die Selbstauskunft der Hersteller im CPNP wieder. Daher sind manche Stoffe mehrfach genannt, andere stehen auf der Liste weil sie als Nanomaterial eingesetzt werden könnten (was aber keineswegs immer der Fall ist) und wieder andere entsprechen gar nicht der Nano-Definition. Fallen sogenannte „Falscheinträge“ auf, fordern die Überwachungsbehörden die Verantwortlichen auf, die Einträge zu korrigieren oder entfernen. Dennoch gibt der „Nano-Katalog“ einen Überblick darüber, welche Kosmetik-Inhaltsstoffe gemeint sein können, wenn es um Nanomaterialien geht.

Transparenz für Neuzulassungen

Sollen Kosmetika mit neuen, bislang noch nicht ausdrücklich zugelassenen Nanomaterialien auf den Europäischen Markt gebracht werden, müssen die Hersteller dies der Europäischen Kommission melden. Spätestens sechs Monate, bevor sie wirklich in den Regalen liegen, erhält die Kommission auf diese Weise Kenntnis davon was da in Umlauf ist. Diese Notifizierungen erfordern unter anderem detaillierte Informationen zur Beschaffenheit und den Eigenschaften der konkreten Nanomaterialien sowie Angaben zu deren sicherer Verwendung. Auf der Grundlage dieser Informationen kann die Europäische Kommission dann den wissenschaftlichen Ausschuss um eine Stellungnahme zur Sicherheit des Stoffes bitten.

Überwachung

Ob die Kosmetik-Produzenten ihrer Verantwortung gerecht werden, kontrolliert die amtliche Überwachung. Mit Blick auf die Nanomaterialien unter den Inhaltsstoffen sollen die Kontrolleure beispielsweise im Blick behalten, welche Stoffe wirklich im Einsatz sind, in welchen Mengen und in welchen Produkten sie verwendet werden und ob sich Verbraucher auf die Kennzeichnung verlassen können. Bisher gibt es jedoch weder standardisierte Verfahren zur Probennahme noch Analysemethoden und Prüfabläufe, die für wiederhol- und vergleichbare Routinekontrollen geeignet wären. Wie die amtliche Überwachung mit diesem Problem umgeht, beschreibt unsere Bildreportage "Verstecken gilt nicht - Über die Suche nach Nanopartikeln in Kosmetika".

Kritik

Umwelt- und Verbraucherverbände kritisieren, dass die „Nano-Definition“ der Kosmetik-Verordnung zu eng gefasst sind. Auf diese Weise werden (wirtschaftlich durchaus) bedeutende Anwendungen der Nanotechnologien, wie beispielsweise Liposomen, Micellen und Vesikel, nicht erfasst und damit auch nicht gekennzeichnet. Zudem ist die EU-Kommission keineswegs verpflichtet, jedes neu angemeldete Nanomaterial einer eigenen Sicherheitsbewertung zu unterziehen. Erst wenn begründete Zweifel an der Sicherheit vorliegen, ist eine solche Bewertung nötig. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert, Nanoteilchen überhaupt nicht verbrauchernah einzusetzen. Dass der "Nano-Katalog" nicht für jeden Verbraucher einfach und auf deutsch zu finden ist, ist ein weiteres Ärgernis.


(Stand: April 2018)


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Kommentare (2)

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Klarstellung  08.02.18 14:38 melden
Hier liegt ganz offensichtlich ein Missverständnis vor. Titandioxid wird in Kosmetika in verschiedenen Formen eingesetzt: Als Nanomaterial und als konventionelles Material. Daher wird es auch verschiedenen gekennzeichnet. Titandioxid als Farbstoff ist kein Nanomaterial im Sinne der Kosmetikverordnung. Seine einzelnen Partikel sind weit überwiegend mikrometergroß. Das muss auch so sein, denn er wird eingesetzt, um Materialien weiß zu färben. Das geht nicht mit Nanopartikeln, denn diese sind farblos. In Zahncremes und Lippenstiften wird Titandioxid ebenfalls als Farbstoff eingesetzt. Dann steht es in der Liste der Inhaltsstoffe als „TITANIUM DIOXIDE“ oder „CI 77851“. Nur als UV-Filter ist Titandioxid als kennzeichnungspflichtiges Nanomaterial im Einsatz. In Lippenstift können beide Formen zum Einsatz kommen, müssten dann aber auch separat in der Liste der Inhaltsstoffe aufgeführt werden.
Bei der gesundheitlichen Bewertung kommt es stark darauf an, auf welchem Wege ein Stoff in den Körper gelangt. Für nanoskaliges Titandioxid kann der aktuelle wissenschaftliche Stand wie folgt zusammengefasst werden: Es ist unbedenklich für den Einsatz auf der Haut. Auch für die Aufnahme über den Mund und den Magen-Darm-Trakt gibt es bisher keinen belastbaren Hinweis auf gesundheitliche Gefahren. Die These, dass Nano-Titandioxid möglicherweise Entzündungsreaktionen im Darm verstärken könnten, wird sicher weitere Untersuchungen nach sich ziehen. Bisher ist dieser Verdacht aber weder belastbar gut untersucht noch belegt. Nachweislich kritisch ist die Aufnahme über die Atemwege – wie es für alle Arten von Staub und Feinstaub der Fall ist.

Nicht ganz richtig  07.02.18 18:20 melden
Ihre Darstellung der Kosmetikverordnung ist nicht ganz richtig: Mineralische Farbstoffe wie Titandioxid müssen bislang nicht deklariert werden, selbst wenn als Nanopartikel eingesetzt werden. Sie sind von der entsprechenden Regelung in der Kosmetikverordnung ausgenommen. Nur das Vorhandensein von Cl77851 bzw. E17 an sich muss deklariert werden. Die von Ihnen zitierte Stellungnahme des SCCS bezieht sich nur auf Sonnenschutzmittel und fällt weit vorsichtiger aus als hier dargestellt. Außen vor bleibt die direkte Aufnahme von Titandioxid z. B. über Zahncremes und Lippenstifte. Hierzu folgender interessanter Beitrag:
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/titandioxid-verursacht-krebs-170204010.html

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