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Produktregister und Datenbanken

Bisher müssen nur Kosmetika, Lebensmittel und Biozidprodukte eine besondere Kennzeichnung tragen, wenn eigens erzeugte und zugesetzte Nanomaterialien enthalten. Für den Einsatz von Nanomaterialien in Textilien, Baustoffen und viele andere Produktgruppen gibt es dagegen keine Kennzeichnungspflichten.

Viele Verbraucher- und Umweltorganisationen setzen sich deshalb für so genannte Produktdatenbanken ein. Damit sollen sich Verbraucher selbst ein Bild davon machen können, welche Produkte welche Nanomaterialien enthalten und was diese im Einzelnen bewirken. Eine zentral geführte Datenbank über alle Nanoprodukte und -materialien und ihre konkreten Anwendungen, hätte nach Ansicht ihrer Befürworter mehrere Vorteile:
- Sie sorgt für Transparenz für alle Marktbeteiligten, die Behörden und den Gesetzgeber.
- Sie kann Datengrundlage für Risikoforscher sein, die abschätzen wollen, ob, auf welche Weise und in welchem Umfang Mensch und Natur direkt mit Nanomaterialien in Kontakt kommen.
- Nicht zuletzt würde ein solches Produktregister die Rückverfolgung von Nanomaterialien über die gesamte Produktionskette ermöglichen.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist eine europaweit verbindliche Registrierungspflicht für Nano-Produkte bisher nicht in Aussicht. Einiges jedoch wird ausprobiert:
 

Umfassend aber nicht öffentlich: CPNP

Am weitesten gediehen ist die durch die Bestimmungen der EU Kosmetik-Verordnung ins Leben gerufene Datenbank für kosmetische Produkte. Hersteller oder Importeure von Kosmetiks sind dazu verpflichtet, ihre Rezepturen in einem eigens von der EU eingerichteten Portal (dem "Cosmetic Products Notification Portal" CPNP) einzutragen. Der Einsatz von Nanomaterialien muss darin eigens angegeben werden. Die Informationen des CPNP sind allerdings nicht öffentlich.

Welche Erfahrungen die Überwachungsbehörden mit den Einträgen in dieser Datenbank machen und was daraus folgen sollte, lesen Sie hier.
 

Meldepflichten einzelner Mitgliedsstaaten

Verbraucherverbände setzen sich immer wieder dafür ein, dass künftige Nano-Datenbanken nicht nur den Behörden, sondern auch interessierten Verbraucherinnen und Verbrauchern leicht zugänglich gemacht werden. Dafür könnte man die Register zum Beispiel in zwei verschiedene Bereiche aufteilen, einen für die Fachleute und einen mit verständlichen (und weniger umfassenden) Informationen für Laien. Doch davon ist man derzeit weit entfernt:
 

Frankreich
In der "déclaration des substances à l'état nanoparticulaire" müssen seit 2013 alle Hersteller, Importeure und Händler sowie Anwender und Forschungslabor, die mehr als 100 g eines Nanomaterials herstellen, einführen, handeln oder einsetzen den Behörden davon berichten. Die Datenbank mit den Meldungen ist nicht öffentlich zugänglich, ein Bericht über ihre Entwicklung erscheint jährlich (auf Französisch).
 

Dänemark
Seit 2014 müssen Hersteller und Importeure von Produkten, in denen absichtlich hergestellte Nanomaterialien verarbeitet wurden und aus denen unter Umständen Nanomaterialien in die Umwelt gelangen könnten, der dänischen Umweltbehörde davon berichten. Diese Meldepflicht betrifft jedoch nur Produkte, die an Endverbraucher abgegeben werden. In einer öffentlichen Datenbank kann zusätzlich jedermann Produkte melden und finden (auch auf Englisch). Darin werden die Exposition sowie mögliche Effekte bewertet. Die Nutzerinnen und Nutzer finden darüber hinaus statistische Angaben.
 

Schweden
Seit März 2019 besteht eine Meldepflicht für Nanomaterialien im Rahmen eines bestehenden Produktregisters für Chemikalien, das den schwedischen Behörden dazu dient, Art, Verwendung und Mengen verschiedener Chemikalien einzuschätzen. Die Angaben in dem Register sind die Grundlage für öffentliche Statistiken als Basis für Überwachung und ggf. Regulation. Diese Daten teilen sich die nordischen Länder in einer gemeinsamen Datenbank.
 

Norwegen
In Norwegen müssen nur gefährliche Stoffe registriert werden. Die Nanomaterialien unter ihnen müssen zusätzlich spezifiziert werden. Die Datenbank über diese Registrierungen ist nur für Behörden zugänglich. Nanomaterialien, die nicht zu den gefährlichen Stoffen zählen, werden nicht in die Datenbank aufgenommen.
 

Belgien
Seit 2016 gibt es in Belgien eine gesetzliche Registrierungspflicht für Nanomaterialien und Mischungen mit Nanomaterialien, die auf den belgischen Markt kommen sowie für Artikel und Produkte, die Nanomaterialien enthalten. Die Registrierung und Meldung erfolgen im Voraus. Die Datenbank ist nicht öffentlich, der jährliche Bericht erscheint auf Französisch und Niederländisch. In Belgien sind Arbeitgeber verpflichtet, ihre Arbeitnehmer über Nanowerkstoffe zu informieren.
 

Schweiz
Die Schweiz führt ein öffentliches Chemikalien-Produktregister. Darin müssen Nano-Materialien eigens deklariert sein.
 

Für ganz Europa: Das Nano Observatory

Neben Deutschland haben sich auch andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union immer wieder für ein gemeinsames Nano-Register ausgesprochen. Schließlich bekam die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) den Auftrag, einen solchen europaweiten Überblick zu schaffen: Das European Union Observatory on Nanomaterials (EUON, kurz: Nano Observatory) war geboren. Das EUON sammelt und verknüpft die Nano-Informationen aus ganz Europa, um sie an einer Stelle zusammenzuführen.

In einer Suchfunktion kann jedermann nach Nanomaterialien suchen, die derzeit auf dem Europäischen Markt sind. Dafür greift das EUON auf Informationen aus den REACH-Registrierungen, dem Kosmetikrecht sowie auf die Datenbanken Frankreichs und Belgiens zu. Das Ergebnis ist ein umfassender Überblick über die aktuelle Sicherheitsbewertung dieses Stoffes. Die Datenbank ist bisher nur auf Englisch verfügbar.
 

(Stand 2019)
 

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