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Methoden zur Einschätzung von Umweltrisiken

Ich habe gelesen, dass die Analytik zur Erfassung von Nanomaterialien, die in die Umwelt gelangen und dort möglicherweise die Umwelt verschmutzen könnten, noch nicht wirklich ausgereift sei. Stimmt das?

Antwort

Ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, gezielt hergestellte Nanopartikel können bei ihrer Nutzung oder Entsorgung auch in die Umwelt gelangen. Das kann ein Risiko etwa für Böden oder Gewässer darstellen. Solche Risiken zu ermitteln und einzuschätzen, ist besonders bei technologischen Neuentwicklungen wie der Nanotechnologie eine Herausforderung. Denn auch hier hinkt die Risikoforschung der Entwicklung von neuen Materialien und Produkten hinterher.

Aber die Wissenschaft holt auf. Noch im Jahr 2015 stellte der Aktionsplan Nanotechnologie der Bundesregierung fest, dass besonders im Umweltbereich Wissenslücken bestünden (Seite 33). In der Neuauflage des Aktionsplanes Nanotechnologie 2020 heißt es bereits: „Messmethoden werden derzeit evaluiert und standardisiert, um verlässliche Aussagen zur Freisetzung von Nanomaterialien aus Produkten und Anwendungen und zum qualitativen und quantitativen Nachweis in den verschiedenen Umweltkompartimenten zu generieren“ (Aktionsplan Nanotechnologie 2020, Seite 34).

Die zuständigen Bundesministerien, ihre nachgeordneten Behörden und wissenschaftlichen Forschungsinstitute sind verstärkt bemüht, Methoden zu verfeinern, um die Stoffe in Umweltmedien aufzuspüren, zu messen und daraus Risiken einschätzen zu können.

Forschungen laufen

Auf europäischer Ebene ist die Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission (Joint Research Centre, JRC) als unabhängige Instanz zuständig. Bei der dortigen Direktion für Gesundheit, Konsumenten und Referenzmaterialien arbeiten Forscher neben zahlreichen anderen Aufgaben an analytischen Methoden, die verlässlich Auskunft geben über die Zusammensetzung, Größe, Anzahl, Konzentration und Reaktivität der Nanomaterialien, die in der Umwelt aufgespürt werden. Denn etablierte Methoden zur Partikelanalyse sind nicht immer auf Stoffe in Nanogröße übertragbar. In Umweltproben finden sich zudem oft Mischungen mehrerer Partikeltypen. Gängige Messmethoden aber sind meist auf im Labor benutzte „reine“ Proben geeicht.

Besondere Herausforderung ist zugleich, dass in den Proben aus der Umwelt natürlich vorkommende und technisch hergestellte Nanomaterialien zu finden sind. Auch die müssen Forscher bei der Analyse unterscheiden und jeweils quantifizieren. „In vielen Fällen binden die natürlichen Hintergrundpartikel an die gesuchten Nanomaterialien, was eine zweifelsfreie Identifizierung erschwert“, beschreibt das Portal www.nanopartikel.info die Schwierigkeiten dieser Aufgabe.

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Im Interview betont Dr. Elke Anklam von der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der EU-Kommission, wie wichtig standardisierte Messungen und harmonisierte toxikologische Verfahren für die Risikobewertung sind. Außerdem erklärt sie, welche Schwierigkeiten es bei der Sicherheitsbewertung von Nanomaterialien gibt, welche Aufgaben das JRC hat und welchen Nutzen Verbraucher von dieser Arbeit haben.

Informationen zum Thema Umwelt und zu den Aktionsplänen Nanotechnologie von 2015 und 2020 der Bundesregierung haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Welche Fragen sich für den Umweltschutz ergeben, wenn Nanomaterialien aus verschiedenen Produkten in die Umwelt gelangen und wie die Stoffe umweltfreundlich eingesetzt werden könnten, erläutert Dr. Rolf Buschmann vom BUND im Interview.

(August 2020)

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