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Ist Sonnencreme schädlich für Lebewesen im Wasser?

In Sonnencreme sollen auch Nanopartikel als Lichtschutz enthalten sein. Können diese beim Baden in einem See oder im Meer abgewaschen werden und schaden die Nanopartikel im Wasser den dort lebenden Tieren oder Pflanzen?
 

Stimmt: Einige der wichtigsten UV-Filter in Sonnenschutzmitteln sind Nanomaterialien. Sie sollen in einem Gemisch aus Fetten, Wasser und Inhaltsstoffen wie Emulgatoren, Konservierungsmitteln und Duftstoffen Ihre Haut vor der energiereichen Ultraviolett-Strahlung der Sonne schützen. Meist reflektiert dabei eine hauchfeine Schicht aus Metallpartikeln das Sonnenlicht und schützt Sie so vor Sonnenbrand oder gar Hautkrebs. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass die Nanomaterialien und chemische UV-Filter Wasserlebewesen schädigen können. Das wird daher derzeit intensiv erforscht.
 
Ob ihre Sonnencreme Nanopartikel enthält, erkennen Sie auf der Verpackung. Dort müssen Nano-Inhaltsstoffe mit „(nano)“ kennzeichnet sein. Die vier derzeit gängigsten UV-Filter, die als Nanomaterialien besonders gekennzeichnet werden, sind Nano-Titandioxid, Nano-Zinkoxid, Methylene bis-benzotriazolyl tetramethylbutylphenol (MBBT) und Tris-biphenyltriazine (TBPT). Informationen dazu finden Sie jeweils im Glossar des Nano-Portals.
 

Hintergrund

In die Kritik vor allem von Umwelt- und Artenschützern sind Sonnenschutzmittel tatsächlich geraten. Sie stehen im Verdacht, die Lebenswelt im Wasser – sei es der Badesee oder das Meer - beeinflussen zu können, wenn sie beim Baden abgewaschen werden. Vor allem gelten die chemischen Verbindungen Oxybenzon und Octinoxat als problematische UV-Filter. Der US-Bundesstaat Hawaii hat die Verbindung Oxybenzon deshalb ab 2021 als Inhaltsstoff in Sonnencreme verboten. Er steht im Verdacht, die Korallen vor der Küste der Inseln zu schädigen, indem er ihnen im Wasser Nährstoffe entzieht und die Korallen verfärbt. Zudem kann der Stoff – wie Octinoxat – Hormone imitieren. In Tierstudien soll sich Octinoxat außerdem negativ auf die Schilddrüse ausgewirkt haben und etwa Verhaltensveränderungen auslösen.

Forscher an der nordspanischen Universidad de Cantabria veröffentlichten im Sommer 2019 das Ergebnis ihrer Untersuchung in der Wissenschaftszeitschrift „Environmental Science & Technology“: Demnach erhöht sich der Gehalt an Aluminium in Küstennähe um 4, der von Titan sogar um 20 Prozent im Wasser, wenn während eines Sommertags Badegäste, die zuvor Sonnencreme nutzten, Abkühlung beim Schwimmen und Plantschen suchten. Diese mineralischen Substanzen aus Sonnenschutzmitteln können Organismen beeinträchtigen. Das belegen Studien an der Universität Koblenz-Landau. Die Forscher dort zeigten dass Wasserflöhe durch Titandioxid-Partikel in ihrer Schwimmfähigkeit beeinträchtigt werden. Chemieexperten des BUND zitieren Studien, die eine schädliche Wirkung von Titandioxid etwa auf Algen belegen.

Um diese Effekte möglichst zu vermeiden, versuchen die Hersteller ihren Sonnenschutz vor dem Abwaschen von der Haut weitgehend zu bewahren. Als „wasserfest“ dürfen Hersteller Sonnencremes bezeichnen, wenn die im Test einem 20-Minuten-Bad im Whirlpool Stand halten. Danach muss sich noch mindestens die Hälfte der aufgetragenen Substanz auf der Haut befinden. „Extra wasserfeste“ Sonnenschutzmittel halten sogar viermal 20 Minuten im Sprudelbad aus.
 

(Stand 2019)
 


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