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Einzelne Verbraucherfragen

Übergang von Nanomaterialien in Gewässer?

Können Nanomaterialien aus Textilien beim Waschen in die Gewässer gelangen? Ergeben sich daraus Gefahren für die Umwelt?

Antwort

Textilien, deren Fasern mit Nanopartikeln beschichtet sind, setzen durch Abrieb und beim Waschen tatsächlich Partikel frei, allerdings in sehr geringen Mengen. So sind es nach den Untersuchungen des ITV Denkendorf (Projekt „SiNaTex“) vor allem Verbrennungsprozesse und der Verkehr, die Nanopartikel in die Umwelt entlassen. Der Eintrag aus Textilien über das Waschen ist dagegen gering.

Da Silber erwiesenermaßen giftig auf Mikroorganismen wirkt, wird insbesondere der Einsatz von Nano-Silber kritisch untersucht. So wird etwa diskutiert, ob der Einsatz in geruchshemmenden Socken und anderen textilen Verbraucherprodukten, in der Natur zur Entwicklung von silberresistenten Mikroorganismen führen könnte. Resistenz gegen Silber ist wiederum häufig mit Resistenz gegen Antibiotika kombiniert. Im Februar 2012 kam eine Konferenz vom Bundesinstitut für Risikobewertung deshalb zu dem Schluss, dass auf Nanosilber in Verbraucherprodukten, außerhalb klinischer Anwendungen, verzichtet werden müsste.

Foto: Lichtkunst73 / pixelio.de

Das bestätigen auch die Ergebnisse des Forschungsprojektes UMSICHT. Demnach ist der Abrieb von Nano-Silber aus Textilfasern zu vernachlässigen. Wird es dagegen als Beschichtung auf Fasern aufgetragen, wird es schnell und zu großen Teilen ausgewaschen. Zwar gelangt nur ein sehr kleiner Teil des so in die Umwelt gespülten Nano-Silbers direkt in die Oberflächengewässer. Der weitaus größte Teil sammelt sich in den Kläranlagen als stabiles Silbersulfid im Klärschlamm. Wo Klärschlamm als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt wird, sind aber Auswirkungen auf die Bodenorganismen und langfristig auch die Gewässer zu erwarten.

Nano-Silber ist giftig
Die Wissenschaftler des Projektes UMSICHT bestätigten einmal mehr, dass Nano-Silber für Wasserorganismen wie Algen, Wasserflöhe, Wasserpflanzen, Fischembryos und aquatische Mikroorganismen giftig ist. Sie reagieren deutlich empfindlicher auf Verunreinigungen ihrer Lebensräume mit Silber im Allgemeinen und Nano-Silber im Besonderen als Bodenorganismen wie Kompostwürmer, Pflanzen und terrestrische Mikroorganismen.

Vorsorge ohne abschließende Bewertung
Eine abschließende Umweltbewertung ist jedoch aus verschiedenen Gründen weiterhin nicht möglich: Zum einen ist unklar, wieviel Nano-Silber aus welchen Quellen in die Gewässer gelangen. Zum anderen ist der Einsatz von Nano-Silber in Textilien nur ein kleiner Teil der derzeitigen Anwendungen. Wieviel wirklich in Produkten in Umlauf ist, ist nicht bekannt. Darüber hinaus gibt es noch keine ausgereiften Techniken, um Nano-Silber im Freiland zu messen. Und schließlich ist das Verhalten von Silber in der Umwelt stark von den jeweils vorherrschenden Bedingungen bestimmt. Die Experten empfehlen daher vorsorgend, Grenzwerte für Silber in Klärschlämmen zu erlassen. Nano-Silber sollte in Textilien zudem fest in die Fasern eingebunden werden, um Auswaschungen in der Waschmaschine zu verhindern.

Den Abschlussbericht des BMBF-Projektes „Abschätzung der UMweltgefährdung durch SIlber-Nanomaterialien: vom CHemischen Partikel bis zum Technischen Produkt – UMSICHT – finden Sie hier).

(Stand August 2014)

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