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Einzelne Verbraucherfragen

Umweltgefahren durch Nano-Textilien?

Können durch den massenhaften Gebrauch von Nano-Textilien Gefahren für Mensch und Umwelt entstehen?

Antwort

Ob Nanomaterialien auf oder in Textilien, die schmutz- und wasserabweisende Wirkungen haben, tatsächlich notwendig sind und wie hoch die Verbraucherinnen und Verbraucher den Nutzen bewerten, ist vermutlich ein individueller Entscheid.

Anders verhält es sich beim Einsatz von antimikrobiellen Produkten. Für sie befürchten Behörden, die sich mit der Risikobewertung befassen, negative Auswirkungen auf die Umwelt durch Anreicherung in Böden und Grundwasser sowie und eine schnellere Resistenzbildung. Der Masseneinsatz könnte diese negativen Erwartungen beschleunigen. Vor allem der Einsatz von nanoskaligem Silber bereitet den Wissenschaftlern große Sorgen.

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wurden beim Bundesinstitut für Risikobewertung wie auch beim Umweltbundesamt verschiedene Forschungsprojekte zum Einsatz von Nanosilber in Textilien und die Auswirkungen auf die Umwelt durchgeführt. Auf einer internationalen Konferenz wurde diskutiert, ob der Einsatz von antimikrobiellen Textilien mit Silber auf die wichtigen medizinischen und professionellen Anwendungen beschränkt werden sollte.

UMSICHT
Eine der ersten Langzeituntersuchungen zu Nanotextilien ist das Forschungsprojekt UMSICHT, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Im Rahmen dessen wird ein so genanntes Life-Cycle-Assessment für Textilien mit Nanosilber durchgeführt, also der gesamte Lebenszyklus dieser Produkte untersucht. Eine zentrale Fragestellung lautet: Was passiert nach der Waschmaschine? Welche Auswirkungen hat also Nanosilber, das aus Textilien beim Waschen in die Umwelt gelangt auf Gewässer und Bodenorganismen? Die Laufzeit des Projektes mit 17 Projektpartnern aus der Wissenschaft, Industrie und öffentlichen Organisationen reicht bis 2013. Das Projekt UMSICHT gilt sowohl von seiner Fragestellung als auch von der Breite der Teilnehmer als beispielhaft für die Studien, die benötigt werden, um die biologische Unbedenklichkeit der eingesetzten Nanomaterialien zu garantieren.

Die Forscher bestätigen einmal mehr, dass der Abrieb von Nano-Silber aus Textilfasern zu vernachlässigen ist. Wird es dagegen als Beschichtung auf Fasern aufgetragen, wird es schnell und zu großen Teilen ausgewaschen. Zwar gelangt nur ein sehr kleiner Teil des so in die Umwelt gespülten Nano-Silbers direkt in die Oberflächengewässer. Der weitaus größte Teil sammelt sich in den Kläranlagen als stabiles Silbersulfid im Klärschlamm. Wo Klärschlamm als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt wird, sind aber Auswirkungen auf die Bodenorganismen und langfristig auch die Gewässer zu erwarten. Nano-Silber ist für Wasserorganismen giftig. Sie reagieren deutlich empfindlicher auf Verunreinigungen ihrer Lebensräume mit Silber im Allgemeinen und Nano-Silber im Besonderen als Bodenorganismen.

Vorsorge ohne Umweltbewertung
Eine abschließende Umweltbewertung ist jedoch aus verschiedenen Gründen weiterhin nicht möglich: Zum einen ist unklar, wieviel Nano-Silber aus welchen Quellen in die Gewässer gelangen. Zum anderen ist der Einsatz von Nano-Silber in Textilien nur ein kleiner Teil der derzeitigen Anwendungen. Wieviel wirklich in Produkten in Umlauf ist, ist nicht bekannt. Darüber hinaus gibt es noch keine ausgereiften Techniken, um Nano-Silber im Freiland zu messen. Und schließlich ist das Verhalten von Silber in der Umwelt stark von den jeweils vorherrschenden Bedingungen bestimmt. Die Experten empfehlen daher vorsorgend, Grenzwerte für Silber in Klärschlämmen zu erlassen. Nano-Silber sollte in Textilien zudem fest in die Fasern eingebunden werden, um Auswaschungen in der Waschmaschine zu verhindern.

Den Abschlussbericht des BMBF-Projektes „Abschätzung der UMweltgefährdung durch SIlber-Nanomaterialien: vom CHemischen Partikel bis zum Technischen Produkt – UMSICHT – finden Sie hier).
 
Dass derzeit kaum Langzeituntersuchungen gibt, heißt jedoch nicht unbedingt, dass die angewendeten Technologien und Materialien automatisch gefährlich sind: Wissenschaftliche Studien sowie Testverfahren, an den Hohenstein Instituten oder dem ITV Denkendorf, haben die Sicherheit vieler Produkte und Textilanwendungen wiederholt überprüft und belegt.

(Stand: August 2014)

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