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Titandioxid wurde von der Europäischen Kommission als „vermutlich krebserregend beim Einatmen“ eingestuft. Was bedeutet das für Produkte wie Sonnencreme oder Lebensmittel? Kann es hier zu Gesundheitsschäden kommen?

Die Einstufung als „vermutlich krebserzeugend“ gilt für reines Titandioxid als Pulver und pulverförmige Produkte, wenn sie mindestens ein Prozent Titandioxid-Partikel enthalten, die 10 Mikrometer groß oder kleiner sind. Das bedeutet, dass Gefährdungen für die Gesundheit vor allem bei titandioxidhaltigen Stäuben auftreten können.

Sonnencreme und andere Kosmetikprodukte wie Cremes oder Lotionen, die Titandioxid oder Nano-Titandioxid als UV-Filter enthalten, gelten als unproblematisch. Bei Sonnensprays ist grundsätzlich sicherzustellen, dass der Sprühnebel nicht eingeatmet werden kann. Daher darf Nano-Titandioxid in Druckgassprays nicht eingesetzt werden. Pumpsprays müssen so beschaffen sein, dass nur sehr grober Sprühnebel ausgestoßen wird, der nicht in die Lunge vordringen kann. Ob diese rechtlichen Bestimmungen eingehalten werden, wird von den Überwachungsbehörden überprüft. Nach Informationen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe (CVUA KA) ist das der Fall, wenn das Spray eine Portion Creme ohne feinen Sprühnebel abgibt.

Infolge der vermutlich krebserzeugenden Wirkungen muss die Sicherheit von Titandioxid in Kosmetikprodukten von den zuständigen EU-Behörden noch einmal neu bewertet werden. Dazu hat der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (Scientific Committee on Consumer Safety, SCCS) bis August 2020 Zeit.

Die Einstufung als „vermutlich krebserzeugend“ betrifft die Aufnahme über die Atemwege und die Anreicherung des Stoffes in der Lunge. Daher haben die Ergebnisse keine Auswirkungen auf die gesundheitliche Bewertung von Lebensmitteln. Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff (E 171) wird von den europäischen und deutschen Behörden als gesundheitlich unbedenklich angesehen. Anderer Meinung ist die Gesundheitsbehörde in Frankreich. Dort ist der Stoff seit Anfang 2020 für ein Jahr verboten.

Änderungen wird es in der Kennzeichnung von Bauprodukten wie Mörtel, Farben und Lacken geben. Hier sind ab Oktober 2021 entsprechende Gefahren- und Warnhinweise Pflicht. Sie zeigen, wie wichtig nach wie vor ein sorgsamer und sicherer Umgang mit den Produkten ist. Verbrauchern, die ihre Wohnung renovieren, sei daher dringend geraten, für geeignete Schutzmaßnahmen wie einen Atemschutz zu sorgen, um sich vor Staub oder Sprühnebel zu schützen.
 

Mehr erfahren

Ob Titandioxid als Zusatzstoff (E 171) in Lebensmitteln enthalten ist, können Sie der Zutatenliste entnehmen. In Kosmetikprodukten ist es in der Liste der Inhaltsstoffe als TITANIUM DIOXIDE oder als CI 77891 aufgeführt.

Ausführliche Informationen zu Titandioxid finden Sie im Glossar. Die Hintergründe zu dem Verbot in Frankreich haben wir Ihnen in diesem Beitrag zusammengestellt. Was bisher über Nanomaterialien in Kosmetika bekannt ist, erfahren Sie in der Rubrik Anwendung.

(Stand Juli 2020)
 

Neue Bewertung von Titandioxid in Lebensmitteln

Die Einschätzung hat sich in der Zwischenzeit geändert. Im Mai 2021 ist eine erneute Stellungnahme der EFSA zu Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff erschienen. Darin bewertet die Behörde den Stoff als nicht mehr sicher wegen seiner möglicherweise erbgutschädigenden Wirkung.

Die Entscheidung über ein Verbot des Zusatzstoffes liegt jetzt bei der EU-Kommission. Mehr Informationen dazu bietet Ihnen dieser Beitrag.

(Stand Mai 2021)


Noch mehr Fragen und Antworten finden Sie in der Übersicht.
 

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