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Einzelne Verbraucherfragen

Vom Lebensmittel in den Organismus

Können Nano-Partikel aus Lebensmitteln in den Organismus übergehen? Welche Erkenntnisse gibt es zum Überschreiten der Blut-Hirn-Schranke sowie der Aufnahme über die Plazenta?

Antwort

Ob und in welcher Form technisch hergestellte Nano-Partikel aus Lebensmitteln in den Körper übergehen, hängt davon ab, welches Material eingesetzt wurde und zu welchem Zweck. Während einige Stoffe ihre Wirkung nur im Lebensmittel entfalten sollen und ein dauerhaftes Übergehen in den Körper nicht erwünscht ist, sind andere Materialien eigens mit dem Ziel entwickelt, die Magen-Darm-Schranke leichter zu passieren.

Technisch hergestellte Nanomaterialien im Sinne der geltenden Definition, sind derzeit nur unter den Lebensmittelzusatzstoffen zu finden. Diese besonderen Zutaten dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie für den jeweiligen Zweck zugelassen sind. Bevor ein Zusatzstoff von der EU-Kommission eine Zulassung erhalten kann, muss zunächst sein Verhalten im Organismus überprüft werden. Dazu gehören Untersuchungen zum Weg der Verbindungen im Stoffwechsel von Tieren und Menschen, Tests zur akuten und chronischen Toxizität bei verschiedener Dosierung, Test zu den Auswirkungen auf das Erbgut und auf die Entstehung von Krebszellen sowie Studien, die Krankheitsfälle in Zusammenhang mit dem eingesetzten Material belegen könnten. Diese Daten zur Risikobewertung werden für einen Stoff gesammelt und zusammenfassend ausgewertet. Auf dieser Grundlage erhielt auch der Rieselhilfsstoff Siliciumdioxid, E 551, seine Zulassung als Lebensmittelzusatztoff – gesundheitlich bedenkliche Auswirkungen auf den Organismus wurden nicht beobachtet.

Bisher waren in der Zulassung von Zusatzstoffen keine Untersuchungen der Partikel-Größen notwendig – eine nano-spezifische Bewertung fand daher nicht statt. Der BUND wie auch verschiedene internationale Umweltorganisationen kritisieren, dass der Anteil an kleinen Partikeln nicht gezielt untersucht wird. In der Tat werden bei den Studien die Rieselhilfen so eingesetzt, wie sie im Produkt vorkommen und dort z. B. in Fütterungsversuchen untersucht.

Das wird sich in Zukunft ändern. Einige Zusatzstoffe werden derzeit noch einmal unter der Fragestellung überprüft, ob sie als technisch hergestellte Nanomaterialien gelten müssen und Eigenschaften aufweisen, die auf ihre geringe Partikelgröße zurückzuführen sind. Werden künftig neue Zusatzstoffe zugelassen, wird wohl auch die zulässige Partikelgröße in den Anforderungen an Herstellung und Beschaffenheit festgeschrieben. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.

Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass nanoskalig vorliegende Lebensmittelzusatzstoffe gesundheitsschädliche Auswirkungen auf den Organismus haben, die Plazenta durchqueren oder gar die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Für einige Inhaltsstoffe, wie beispielsweise Vitamine und Mineralstoffe, werden jedoch Trägermaterialien eingesetzt, die dafür sorgen sollen, dass diese Zusätze besser über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden. Solche „Nano-Kapseln“ werden jedoch (bisher) nicht als technisch hergestellte Nanomaterialien bewertet.

(Stand: Januar 2013)

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