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Was ist Nanoplastik? Ist es schädlicher als Mikroplastik?

Unter Mikroplastik werden kleinste Abriebe von Kunststoffteilen verstanden. Es entsteht in der Umwelt durch die Zersetzung des (Plastik-)Mülls, wenn größere Kunststoffteile durch Reibung, Sonnenlicht, Wind oder Wellen in kleinere feste Kunststoff-Fraktionen zerkleinert werden. Sie stellen eine große Umweltbelastung für Meere und Flüsse, aber auch für den Boden dar. Inzwischen fanden Wissenschaftler die Ablagerungen selbst im Schnee und Eis der Arktis – und sogar in menschlichen Stuhlproben sind diese kleinen Plastikreste nachweisbar. Das hatte eine Pilotstudie in Österreich ergeben.

Tierversuche des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigten, dass Mikroplastikpartikel aus Polystyrol – trotz sehr großer verabreichter Mengen – nur vereinzelt in die Darmzellen aufgenommen werden. Gesundheitsschädigende Effekte wurden nicht beobachtet. Jedoch wiesen die Forscher daraufhin, dass weitere Studien notwendig sind, um das gesundheitliche Risiko von Mikroplastik bewerten zu können.

Aus Mikro wird Nano

Wenn sich die Mikroplastik-Partikel immer weiter zersetzen, werden sie immer kleiner und erreichen Größenordnungen im Nanobereich (zwischen 1 und 100 Nanometern). Daher werden sie als Nanoplastik bezeichnet. Der Begriff beschreibt also kein einheitliches Material, sondern eine Gruppe von Kunststoffteilchen, die über ihre Größe – besser: Winzigkeit – definiert sind. Da sie nicht gezielt hergestellt werden, spricht man von sekundärem Nanoplastik. Diese unkontrolliert entstandenen winzigen Plastikreste sind nicht einheitlich, sondern meist eine Mischung aus verschiedenen Ausgangskomponenten.

Dagegen wird primäres Nanoplastik gezielt hergestellt, z. B. für Forschungs- oder Diagnosezwecke. Es ist daher in der Regel aus einheitlichen Kunststoffverbindungen aufgebaut.

Transportmittel für Schadstoffe

Ob Nanoplastik schädigende Effekte auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit hat, wird gegenwärtig erforscht. Experimente des BfR mit Nano-Polystyrol und Zellkulturen zeigten, dass der Nano-Kunststoff in großen Mengen giftig auf die Zellen wirkt. Übertragen auf den Menschen sind allerdings vergleichbar große Mengen an Nanoplastik nicht zu erreichen.

Das größere Problem könnte jedoch sein, dass sich an die Nanoplastikpartikel in der Umwelt vorhandene Schadstoffe wie PBC (polychlorierte Biphenyle) oder PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) anlagern und in den Körper von Tier und Mensch gelangen könnten.

Weiterhin könnte es möglich sein, dass sich Zusatzstoffe aus dem Material herauslösen, die negative gesundheitliche Wirkungen haben.

Plastikärmer leben

Da Nanoplastik aus Mikroplastik entsteht, gelten die gleichen Empfehlungen, um es zu reduzieren und zu vermeiden. Neben notwendigen gesetzlichen Regelungen kann beispielsweise jeder Einzelne darauf achten, im Haushalt weniger Plastik zu verwenden, Plastikabfälle ordnungsgemäß zu entsorgen und bei Kosmetikprodukten solche ohne Mikroplastik und andere Kunststoffverbindungen zu bevorzugen.

Mehr erfahren

Informationen aus unserem Glossar zu Mikroplastik finden Sie hier und zu Nanoplastik hier.
Mehr über die österreichische Pilotstudie zu Mikroplastik gibt es hier hier.

Einzelheiten zu den Untersuchungen des BfR zu Mikro- und Nanoplastik bietet das Wissenschaftsmagazin BfR2GO, Ausgabe 2/2019.

(August 2020)
 


Noch mehr Fragen und Antworten finden Sie in der Übersicht.
 

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