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BUND: Nanopartikel in Lebensmitteln trotz gesetzlicher Pflicht nicht gekennzeichnet

(20.09.2018) Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die Rechtslage und die Umsetzung für die Kennzeichnung von Nanomaterialien in Lebensmitteln. Auf einem Pressegespräch in Berlin stellte er Analyse-Ergebnisse vor, die aufhorchen lassen.
 

Anlässlich der vollständigen Überarbeitung seines Berichts "Aus dem Labor auf den Teller – Die Nutzung der Nanotechnologie im Lebensmittelsektor" stellt der BUND fest, dass der Einsatz von Nanomaterialien in Lebensmitteln, Lebensmittelverpackungen, Küchenutensilien und in der Landwirtschaft innerhalb des zurückliegenden Jahrzehnts deutlich zugenommen habe.

Nachweis in Stichproben
Auf einem Pressegespräch in Berlin wies BUND-Chemikalienexperte Rolf Buschmann darauf hin, dass die Dunkelziffer nicht bekannt sei, da die meisten Produkte mit synthetischen Nanomaterialien nicht gekennzeichnet oder gemeldet werden müssten. Rolf Buschmann kritisierte, dass manche Hersteller selbst bei kennzeichnungspflichtigen Produkten wie bei Lebensmitteln, Kosmetik und Bioziden handelten ungesetzlich handelten, indem sie Nanomaterialien nicht auf der Verpackung aufführten. Auf der Veranstaltung präsentierte der Verband die Ergebnisse von Stichproben-Analysen, bei denen in Cappuccino-Pulver der Firma Jacobs und in Kaugummi von Wrigleys Nano-Primärpartikel identifiziert worden waren, die jedoch nicht auf der Verpackung genannt sind. Das Cappuccino-Pulver enthielt demnach zu 100 Prozent Siliziumdioxid-Nanopartikel, im Kaugummi fanden sich immerhin noch zu acht Prozent Titandioxid Nanopartikel.

"Die Lebensmittel-, Futtermittel- und Pestizidindustrie macht nach wie vor ein großes Geheimnis um den Einsatz von Nanomaterialien. Die im Dezember 2014 in Kraft getretene Kennzeichnungspflicht für Nano-Lebensmittel enthält zu viele Schlupflöcher, so dass Lebensmittel mit Nanomaterialien weiterhin ungekennzeichnet bleiben", kritisierte Buschmann in Berlin. Auch gebe es in Deutschland derzeit keine einzige auf Nanomaterialien spezialisierte Prüfeinrichtung bei der Lebensmittelüberwachung. Entsprechende Tests im Ausland seien sehr teuer. "Gesetzlich vorgeschrieben sind Tests auf Nanomaterialien nicht, obwohl dies aus Umwelt- und Verbrauchersicht unbedingt erforderlich wäre", so der BUND-Chemikalienexperte. Inzwischen gebe es zahlreiche wissenschaftliche Belege für mögliche Gesundheits- und Umweltgefahren von Nanopartikeln, so Buschmann weiter. Mit der Nahrung aufgenommene Titandioxid- oder Siliziumdioxid-Nanopartikel würden beispielsweise mit Entzündungsreaktionen im Magen-Darm-Bereich in Verbindung gebracht und seien zumindest für entsprechend vorbelastete Personen problematisch.

Gesetzgeber und Hersteller in der Pflicht.
"Die Lebensmittelindustrie bagatellisiert die Risiken von Nanomaterialien in ihren Produkten. Ohne Kennzeichnung haben Verbraucher so gut wie keine Chance, Nanopartikel über die Lebensmittel zu vermeiden", sagte Buschmann. Weil die Industrie bisher keine Transparenz bei Nanomaterialen geschaffen habe, sei das Einschreiten des Gesetzgebers nun umso dringender. "Für alle Technologien muss das Vorsorgeprinzip gelten. Das gilt besonders für Anwendungen, bei welchen die Gefahren nicht abgeschätzt werden können wie bei der Nanotechnologie. Bevor solche Nanoprodukte in den Handel kommen, müssen Risiken gründlich untersucht und ausgeschlossen werden", sagte Buschmann. Für die Kosten von verpflichtenden Tests müssten die Hersteller aufkommen. Vom Gesetzgeber fordert der BUND außerdem, das Inverkehrbringen von Lebensmitteln, Verpackungen, Küchenartikeln oder Agrochemikalien zu untersagen, die freisetzbare Nanomaterialien enthalten, sowie eine flächendeckende Kennzeichnungspflicht für alle Produktgruppen einzuführen.

Quelle: BUND
 

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Die Untersuchungen, nach denen Nano-Silicium-Dioxid und Titandioxid gesundheitsschädlich seien und auf die sich der BUND in seinen Ausführungen beruft, sind keineswegs so belastbar, wie hier unterstellt. Der Toxikologe Dr. Harald Krug übt im Interview mit dem Nanoportal deutliche Kritik an Aufbau und Aussagen.

Wie Nanotechnologien und Umweltschutz zusammengehen könnten, erklärte Dr. Rolf Buschmann im Interview Umweltschäden von Anfang an vermeiden.
 


 
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