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Chemikalienrecht: Weitere Anpassungen an Nanomaterialien

(11.02.2021) Die Anpassung der Europäischen Chemikalienverordnung REACH an Nanomaterialien schreitet voran. Seit Anfang des Jahres gelten neue Anforderungen an Sicherheitsdatenblätter, bei denen Nanoformen berücksichtigt werden. Auch bei geeigneten Testmethoden, mit denen gesundheitliche und ökologische Risiken ermittelt werden, gibt es Neuerungen.

Sicherheitsdatenblätter sind eine Art Steckbrief für gefährliche chemische Stoffe oder Gemische. Sie informieren über die Eigenschaften der Substanzen und über mögliche Gefahren, die von ihnen für Gesundheit und Umwelt ausgehen können. Weitere wichtige Elemente sind die Anweisungen zum Schutz vor möglichen gesundheitlichen oder ökologischen Schäden, die beim Umgang mit den Stoffen zu beachten sind, sowie Hinweise auf Maßnahmen zur Ersten Hilfe und Brandbekämpfung. Sicherheitsdatenblätter richten sich an Personen, die mit den Chemikalien beruflich bedingt Kontakt haben. Private Verbraucher haben keinen Anspruch darauf. Die Erstellung und Weitergabe von Sicherheitsdatenblättern innerhalb der Lieferkette sind in der REACH-Verordnung verpflichtend geregelt.

Die erweiterten Informations- und Registrierungspflichten für Nanomaterialien in dieser Verordnung, die seit Anfang 2020 für Hersteller, Importeure und nachgeschaltete Anwender von Chemikalien gelten, machten Änderungen bei den Vorgaben für die Sicherheitsdatenblätter notwendig. Daher wurde der entsprechende Anhang II der REACH-Verordnung angepasst. So muss seit 1. Januar 2021 beispielsweise angegeben werden, ob die Informationen in den Datenblättern auch für Nanoformen gelten und welche das sind, welche Eigenschaften diese Nanoformen haben und was sich daraus für ihre Sicherheit ergibt. Übergangsfristen gelten bis Ende 2022. 

Testmethoden zur Risikobewertung

Um die Vorgaben der REACH-Verordnung zu erfüllen und die erforderlichen toxikologischen und ökotoxikologischen Daten für Nanomaterialien vorzulegen, sind Untersuchungen nach OECD-Testrichtlinien notwendig. Diese international anerkannten Testmethoden und -strategien müssen nach und nach an Nanomaterialien angepasst oder auch neu entwickelt werden, um eine umfassende Risikobewertung zu ermöglichen. Dafür erarbeitet die Arbeitsgruppe für hergestellte Nanomaterialien (Working Party on Manufactured Nanomaterials, WPMN) bei der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) entsprechende Vorschläge und Empfehlungen. An der Aktualisierung von bestehenden und der Ausarbeitung von neuen OECD-Testrichtlinien sind zahlreiche Experten aus den OECD-Mitgliedsstaaten beteiligt. Dabei handelt es sich um einen mehrstufigen Prozess, in den verschiedene Gremien der OECD eingebunden sind.

Informationen über aktualisierte Testrichtlinien (Test Guidelines) und andere Dokumente, die mit der Prüfung und Bewertung von Chemikalien zusammenhängen, stellt die OECD auf ihrer Webseite zur Verfügung.

Vor einiger Zeit sind zwei Leitfäden (Guidance Documents, GD) erschienen, die hergestellte Nanomaterialien betreffen. In dem einen (GD 318) geht es um die Prüfung der Lösungs- und Dispersionsstabilität dieser Stoffe und die Verwendung der Daten für weitere Umweltprüfungen und -bewertungen. Bei dem anderen (GD 317) handelt es sich um Leitlinien zur Prüfung der Toxizität von Nanomaterialien im Wasser und in Sedimenten, um ihre Risiken zu ermitteln. Diese Leitfäden enthalten u. a. übergreifende Informationen und Anleitungen zu gültigen Testverfahren für verschiedene zu untersuchende Eigenschaften und Parameter sowie zur Einordnung der Ergebnisse. Sie sind geeignet für Tests im Rahmen der REACH-Verordnung, um die spezifischen Informationsanforderungen für Nanomaterialien zu erfüllen.

Mehr erfahren

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema auf den Seiten des Nanoportals Baden-Württemberg:


Einen vertiefenden Einblick in das OECD-Chemikalienprogramm, zu dem die einheitlichen Testrichtlinien gehören, bieten das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie das Umweltbundesamt (UBA).


Neugierig? Mehr Meldungen aus der Nano-Welt finden Sie in unserem Archiv.

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