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Eine Milliarde Euro für die Forschung an Graphen

(03.05.2013) Im Januar 2013 entschied sich die Europäische Kommission das Forschungsprojekt „Graphene“ als eines von zwei Flagship-Projekten der Forschung für die kommenden zehn Jahre zu fördern. Ziel dieses gewaltigen Vorhabens ist es, Graphen aus den Laboren in die breiten Anwendung zu bringen.

Als Prof. Andre Geim und Prof. Kosty Novoselov im Jahr 2004 ihre Erkenntnisse über Graphen veröffentlichten, staunte die Fachwelt nicht schlecht: Diese Struktur-Variante des Kohlenstoffs war bis dahin nur in der Theorie bekannt gewesen. Die Arbeitsgruppe um die beiden Forscher hatten erstmals eine Schicht von wabenförmig angeordneten Kohlenstoffatomen hergestellt. Sie ist nur so dick wie ein Atom, kann aber als Fläche gewaltige Ausdehnungen bekommen. Für diese Leistung und ihre Grundlagenforschung an Graphen erhielten die beiden Forscher im Jahr 2010 den Physik-Nobelpreis. 

Im Graphen ist jedes Kohlenstoffatom von drei weiteren umgeben, gemeinsam bilden sie ein Gitter, das Strom und Wärme sehr gut zu leiten vermag und dabei ungeheuer fest ist. Das macht das Material interessant für die Anwendung in schnellen elektronischen Bauteilen, Halbleitern, Bauteilen des Wärmemanagements oder der Photovoltaik. In organischen Leuchtdioden, Touchscreens und Flüssigkristallbildschirmen könnte Graphen das derzeit vorherrschende Indiumzinnoxid ersetzen. Da Indium rar und zugleich giftig ist, wäre diese Entwicklung wirtschaftlich wie umwelttechnisch sinnvoll.

In Graphen liegen die Kohlenstoffatome ringförmig nebeneinander in einer Schicht. Bild: Graphene structure brushed (by Conrad Gesner) über www.graphene-flagship.eu

In den nächsten zehn Jahren wird die Europäische Kommission nun die weitere Erforschung von Graphen mit bis zu einer Milliarde Euro fördern, 54 Millionen Euro gehen in die ersten 30 Monate des gewaltigen Forschungsprojektes. 126 Forschergruppen von Hochschulen und Unternehmen aus 17 europäischen Ländern werden in den nächsten Jahren in 15 Arbeitsgruppen daran arbeiten, Graphen aus dem Labor in die industrielle Anwendung zu überführen. Die EU-Kommission erhofft sich von ihren Erkenntnissen Nutzen für die Informations- und Telekommunikationstechnologie, die Materialwissenschaften, die Energiewirtschaft und die Lebenswissenschaften. Die Koordination des Projektes wird dabei die Chalmers University of Technology in Göteborg übernehmen. Sie wird dabei vom strategischen Beirat unterstützt, dem neben den Nobelpreisträgen Prof. Geim und Prof. Novoselov weitere Graphen-Spezialisten sowie Vertreter von Nokia und Airbus angehören.

Mehr Informationen finden Sie unter www.graphene-flagship.eu

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