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Nano-Silber in der Medizin - Nutzen und Risiken

(25.03.2021) Nano-Silber wird wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften gern in der Medizin, aber auch in Verbraucherprodukten verwendet. Aktuell kommt es gegen COVID-19 zum Einsatz, z. B. in Oberflächen oder Masken. Es gibt Hinweise auf hemmende Wirkungen bei SARS-CoV-2-Viren, weitere Forschungen dazu laufen noch. Die Anwendung von Nano-Silber in der Medizin kann hilfreich sein, aber auch Nachteile haben. Für uns ein Anlass, näher hinzuschauen.
 

Überall dort, wo es darum geht, das Wachstum von Bakterien zu verhindern und das Infektionsrisiko zu senken, kann Nano-Silber sinnvoll und wirksam sein. Beispiele sind Medizinprodukte und medizinische Gewebe, z. B. für die Versorgung von Verletzungen, Verbrennungen und diabetischen Geschwüren.

Bei Wundverbänden ist Nano-Silber länger und besser wirksam als andere Silberverbindungen. Sie müssen daher nicht so häufig gewechselt werden. Das kann eine geringere Belastung für Patienten bedeuten. Auch in Kathetern, Implantaten oder bei Operationswerkzeug kann sich Nano-Silber positiv auswirken. Es verhindert beispielsweise die Bildung eines Biofilms, d. h. eine Besiedelung mit Bakterien, und daraus resultierende Infektionen.

Weitere Anwendungen

Beispiele sind nano-silberbeschichtete Vorhänge in Krankenhäusern, mit Nano-Silber ausgerüstete Kleidung für medizinisches Personal und Krankenhauseinrichtungen. Für die Bekämpfung von COVID-19 kommt es z. B. in Masken oder Oberflächen zum Einsatz. Zu den genannten Anwendungen existieren unterschiedliche fachliche Einschätzungen.

Bisher gibt es keine ausreichenden Nachweise für den Nutzen von Nano-Silber in Produkten wie Vorhängen oder Kleidung. Positive Studienergebnisse liegen dagegen zu nano-silberhaltigen Beschichtungen vor. Sie können dazu beitragen, die Ausbreitung von Krankenhauskeimen zu verringern.

Was den Einsatz von Nano-Silber gegen COVID-19 angeht, deuten erste Forschungsergebnisse auf einen Nutzen hin. Weitere Untersuchungen zur Abklärung sind notwendig. Kritisch wird in dem Zusammenhang gesehen, dass Endverbrauchern zunehmend nano-silberhaltige Produkte für den Schutz von COVID-19-Infektionen angeboten werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät beispielsweise von Masken mit Nano-Silber ab.

Mögliche Risiken

Das Auftreten von gesundheitlichen Schäden durch Silber und Nano-Silber hängt grundsätzlich - wie bei anderen Stoffen auch - von der Dosis, der Dauer der Belastung und der Art der Aufnahme ab. Studien zeigten, dass in geringen Dosen verabreichte Silber-Nanopartikel keine gesundheitlichen Auswirkungen hervorrufen. Erst bei sehr hohen Dosen kam es zu bedeutsamen Beeinträchtigungen. Insgesamt scheint die Toxizität von Nano-Silber beim Menschen jedoch gering ausgeprägt zu sein.

Beobachtet wurden bakterielle Resistenzen gegen Nano-Silber. Zudem gibt es Hinweise, dass sich mit einer zunehmenden Verbreitung von Produkten mit Nano-Silber auch vermehrt Resistenzen entwickeln können. Dieses Risiko ist jedoch noch abschließend zu bewerten. Das BfR empfiehlt daher nach wie vor, auf die Verwendung von Nano-Silber in Verbraucherprodukten zu verzichten, bis die Risiken geklärt sind.

Haut & Co.

Bei Anwendung auf der Haut in Form von Verbänden kam es zu einer schwachen Reizung der Haut durch Silber-Nanopartikel. Beobachtet wurde außerdem, dass das Nano-Silber in geringem Umfang durch die verletzte Haut in den Körper gelangen kann. Gesundheitliche Auswirkungen wurden jedoch nicht festgestellt. Das ergaben Studien an Versuchstieren und Beobachtungen an Patienten, wie das Projekt DaNa4.0 berichtet.

Gesunde Haut stellt dagegen eine wirksame Barriere dar. Verschiedene Studien unter Laborbedingungen haben gezeigt, dass nur sehr wenige Silber-Ionen durch die Hornschicht (oberste Hautschicht) in tiefere Hautschichten vordringen können. Bei Tests unter realen Bedingungen, z. B. mit silberhaltigen Cremes und Lotionen, konnte ein solcher Effekt nicht nachgewiesen werden.

Anwendungen wie beschichtete Katheter und orthopädische Implantate gelangen direkt in den Körper. Ergebnisse aus Studien mit verschiedenen nano-silberhaltigen Materialien bei Implantaten ergaben, dass derartige Medizinprodukte mit geringen Risiken für Verbraucher verbunden sind, aber mögliche Infektionen reduzieren können.

Insgesamt sind weitere Untersuchungen zu möglichen Wirkungen von Nano-Silber auf die menschliche Gesundheit erforderlich. Ebenso wäre nach Meinung von Experten eine Neu-Bewertung von Nano-Silber sinnvoll, was die Sicherheit und die Notwendigkeit in verschiedenen Produkten betrifft.

Andere Effekte

Wie Tierversuche zeigten, können sich Silber-Nanopartikel, die eingeatmet oder über den Mund aufgenommen werden, im Körper verteilen und in Organen wie Milz, Leber und Hoden ansammeln. Zudem deuten bisherige Studien darauf hin, dass es möglicherweise zu Veränderungen der Aktivität des Immunsystems kommen kann. Welche Ursachen zugrunde liegen und inwieweit diese Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen übertragbar sind, ist noch unklar.

Untersuchungen ergaben weiterhin, dass bei höherer Dosierung von Nano-Silber negative Effekte auf die Zellen möglich sind.

Auswirkungen auf das Immunsystem konnten bislang nur bei extrem hohen Konzentrationen von Silber-Nanopartikeln nachgewiesen werden, die unter üblichen Bedingungen keinesfalls zu erreichen sind. Ebenso gibt es bisher noch keine konkreten Hinweise auf eine allergieauslösende Wirkung von Nano-Silber.

Umweltwirkungen

Aus Textilien und anderen Produkten gelangt Nano-Silber ins Abwasser. In der Kläranlage wird es zu 90 bis 95 Prozent im Klärschlamm gebunden. Der Rest wird über den Ablauf in Oberflächengewässer gespült.

In Studien hat sich Nano-Silber als giftig für Lebewesen in Gewässern erwiesen. Allerdings ergaben Untersuchungen mit Wasserflöhen am Ablauf von Modell-Kläranlagen keine negativen Auswirkungen. Welche Ursachen hier eine Rolle spielen, ist noch zu untersuchen.

Mehr erfahren

  • Über Silber und Nano-Silber in verschiedenen Produkten sowie die Wirkungen auf Mensch und Umwelt informiert das Projekt DaNa4.0.
  • In einer Stellungnahme beim Nano Observatory (EUON) beleuchtet Frau Dr. Napierska von der Organisation Health Care Without Harm (in etwa: Gesundheitsversorgung ohne Schaden) Vor- und Nachteile von Nano-Silber in medizinischen Anwendungen.
  • Einen Überblick über Nano-Anwendungen in der Medizin haben wir in diesem Artikel zusammengestellt.
  • Mehr zu möglichen Umwelteffekten von Nanomaterialien finden Sie in der Rubrik Umwelt.
  • Die Rubrik „Sie fragen - wir antworten“ bietet Antworten auf Verbraucherfragen zu Nano-Silber und anderen Themen.




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