Service-Navigation

Suchfunktion

Nano-Silber schädigt Wasserflöhe über Generationen

(01.10.2020) Bekannt ist, dass Nano-Silberpartikel giftig auf Wasserflöhe und andere Wasserlebewesen wie Algen, Fischembryos und Mikroorganismen wirken können. Nun haben Forscher der Universität Siegen nachgewiesen, dass die Partikel auch schädliche Effekte auf die Nachkommen der Wasserflöhe haben können. Sie verlieren ihren natürlichen Schutz vor Fressfeinden. Das könnte negative Folgen für die Wasserfloh-Population und die Nahrungskette in Gewässern haben.

Bereits frühere Studien zeigten, dass Nano-Silber die Fortpflanzung und das Wachstum von Wasserflöhen (Daphnien) hemmen kann. Wie die aktuellen Labor-Untersuchungen der Universität Siegen ergaben, können Nano-Silberpartikel außerdem die Abwehrmechanismen der winzigen Tierchen gegenüber Fressfeinden außer Kraft setzen. Im Gegensatz zu den Elterntieren ist die zweite Generation der Wasserflöhe nicht mehr in der Lage, die sonst für einige Arten typischen Stacheln, Helme oder Nackenzähne zu entwickeln.

Daphnie (Wasserfloh) in Makroaufnahme. Foto: Hohenstein Institute

Diese Abwehrreaktion wird durch Substanzen ausgelöst, die von Raubfischen abgegeben werden. Sie wirken als Signalstoffe. Je mehr davon im Wasser vorhanden sind, desto umfangreichere Abwehrstrukturen bilden die Wasserflöhe aus. Fallen diese Schutzmechanismen weg, könnten sie in Gewässern vermehrt Raubfischen zum Opfer fallen. Sinkt daraufhin ihr Bestand, könnten Auswirkungen auf die komplexe Nahrungskette und das ökologische Gleichgewicht der Gewässer die Folge sein.

Warum jedoch die Nachkommen der Wasserflöhe so empfindlich auf Nanosilber reagieren, ist noch zu erforschen. Ebenfalls zu klären ist, ob sich die Wirkungen der Nano-Silberpartikel verändern, nachdem sie eine Kläranlage durchlaufen haben. Frühere Untersuchungen der Universität Siegen mit Wasserflöhen, die am Auslauf von Modellkläranlagen Nanosilberpartikeln ausgesetzt waren, konnten im Gegensatz zur aktuellen Studie keine Auswirkungen nachweisen.

Mögliche ökotoxikologische Effekte von Nanomaterialien werden seit Jahren verstärkt untersucht, um eventuelle Risiken zu erfassen, zu überprüfen und abschließend bewerten zu können.

Nano-Silber in Produkten

Nano-Silber und andere Silberverbindungen werden wegen der antibakteriellen Wirkung in zahlreichen Produkten eingesetzt, z. B. in Textilien, Waschmaschinen, Kühlschränken und medizinischen Anwendungen. Über Abwässer und Kläranlagen kann Nanosilber möglicherweise in Gewässer und Böden gelangen.

Zu möglichen negativen Wirkungen auf die Umwelt kommt die Gefahr, dass sich Resistenzen bilden. Daher ist abgesehen vom medizinischen Bereich von Produkten abzuraten, die mit einer antibakteriellen bzw. bakterienhemmenden Wirkung ausgelobt werden.

Mehr erfahren

Informationen zum Einsatz von Nanosilber in verschiedenen Produkten finden Sie in der Rubrik "Anwendung" unter den Stichworten Textilien, Haushalt, Medizin sowie Bauen und Wohnen.

Antworten zu Verbraucheranfragen rund um die Verwendung von Nanosilber haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Die Bildreportage „Dem Nanosilber in Textilien auf der Spur“ gibt einen Einblick in Prüfverfahren für Nanomaterialien.

Eine Übersicht über weitere Umwelteffekte von Nanomaterialien steht hier bereit.


Neugierig? Mehr Meldungen aus der Nano-Welt finden Sie in unserem Archiv.

Kommentare (0)

Es können folgende HTML Formatierungen verwendet werden: <b> <i> <u>

Fußleiste