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Nanoforschung - aktuelle Projekte in Baden-Württemberg

(06.08.2020) Um den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln, werden auch in diesem Jahr eine Reihe von Forschungsprojekten gefördert. Die Themen decken eine große Bandbreite ab. Einige der Projekte sollen u. a. dazu beitragen, Krankheiten früher zu erkennen, genauer zu diagnostizieren und die Behandlung zu verbessern. Ein Ziel ist, die Forschungsergebnisse möglichst zeitnah für den Patienten nutzbar zu machen. Bei zwei von diesen Projekten kommen Nanotechnologien zum Einsatz. Wir sagen, worum es dabei geht.  
 
 

Foto: www.pixabay.com

Künftig werden digital ablaufende Arzt-Patienten-Kontakte, z. B. als Videosprechstunden, an Bedeutung gewinnen und persönliche Arztbesuche ersetzen. Damit der Telearzt die Behandlung gut auf den Patienten abstimmen kann, benötigt er aktuelle Patientendaten. Für eine funktionierende Telemedizin wird es daher erforderlich sein, dass die Patienten diagnostische Selbsttests durchführen und dem Arzt die Ergebnisse übermitteln.
 

Im Rahmen des Projektes „Neue Technologien für Patienten - Translationale Plattform für die nanosensorbasierte medizinische Diagnostik“, („TechPat nano“) wird eine Diagnostik-Plattform für solche Patientenselbsttests ins Leben gerufen. Um zu zeigen, wie sie für künftige Anwendungen genutzt werden kann, werden zwei verschiedene Testverfahren entwickelt. Sie basieren auf biologischen Nanoporen. Diese winzigen Kanäle sind so beschaffen, dass sie nur bestimmte Stoffe durchlassen. Daher eignen sie sich, um Substanzen präzise zu selektieren und zu analysieren. Um ihre Messleistungen zu erhöhen, werden sie mit künstlichen Nanoporen kombiniert.

Mit einem der Tests sollen gegen Antibiotika resistente Krankheitserreger sowie Entzündungsmarker schnell nachgewiesen werden können. Er eignet sich beispielsweise für Pflegeheime, wo er vom Pflegepersonal durchgeführt werden kann. Bei dem anderen Test handelt es sich um einen therapiebegleitenden Selbsttest für Patienten mit Nierentransplantation.

In das Projekt fließen Know-how und technologischer Fortschritt aus den Bereichen molekulare Medizin, Nanotechnologie und Digitaltechnik ein. Es wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg gefördert. Projektpartner sind: Hahn-Schickard Institut für Mikroanalysesysteme, Freiburg, Hahn-Schickard Institut für Mikro- und Informationstechnik, Villingen-Schwenningen, Hahn-Schickard Institut für Mikroaufbautechnik, Stuttgart, Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen, Reutlingen (NMI), Physiologisches Institut der Universität Freiburg, Hochschule Furtwangen, Institut für Lasertechnologien in der Medizin und Messtechnik, Ulm (ILM).

Krankheiten früh erkennen

An dem zweiten Projekt mit dem Titel „Prädiktive Diagnostik von immunassoziierten Krankheiten für die Personalisierte Medizin“ sind ebenfalls das Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut an der Universität Tübingen (NMI), Reutlingen sowie das Hahn-Schickard Institut für Mikroanalysesysteme, Freiburg und das Hahn-Schickard Institut für Mikro- und Informationstechnik, Villingen-Schwenningen beteiligt. Auch dieses Projekt wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg gefördert.

Die personalisierte Medizin setzt auf individuelle Diagnosemethoden und Therapiekonzepte. Je besser die persönlichen Parameter eines Patienten erfasst werden, desto besser kann die Behandlung auf seine Gegebenheiten und Bedürfnisse zugeschnitten werden. Sie ist erfolgreicher und nachhaltiger wirksam.

Foto: www.pixabay.com

Ziel des Projektes ist es, diagnostische Verfahren und Tests für die personalisierte Medizin zu entwickeln, um Krankheiten möglichst frühzeitig zu erkennen, idealerweise sogar vorherzusagen und behandeln zu können. Im Fokus der Forschung stehen Erkrankungen, bei denen Fehlfunktionen des Immunsystems beteiligt sind. Dazu gehören beispielsweise Krebs, Parkinson oder multiple Sklerose. Bei diesen vielschichtigen, sehr individuell verlaufenden Erkrankungen ist eine persönliche Diagnostik besonders gefragt.

Im Rahmen des Projektes werden Nachweisverfahren entwickelt, um den Zustand von Immunzellen bei Patienten sichtbar machen zu können. Dazu werden unter anderem Nanobodies eingesetzt. Das sind winzig kleine Teilstücke von Antikörpern, die sich an die Zellen binden und dort bestimmte Effekte auslösen. Außerdem werden spezielle Diagnoseverfahren für entzündliche Erkrankungen weiterentwickelt. Ein dritter Schwerpunkt ist die Entwicklung von neuartigen Zell- und Gewebemodellen, mit denen Medikamente und ihre Wirkungen patientenspezifisch getestet werden können.


Neugierig? Mehr Meldungen aus der Nano-Welt finden Sie in unserem Archiv.

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