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Neue EU-Öko-Verordnung schließt Nanomaterialien explizit aus

(16.07.2021) Die Neufassung der EU-Öko-Verordnung schreibt vor, dass auf technisch hergestellte Nanomaterialien in Bio-Lebensmitteln grundsätzlich zu verzichten ist. Eigentlich sollte die Verordnung schon ab Januar 2021 gelten. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde ihre Anwendung jedoch um ein Jahr verschoben.

In der neuen Fassung der EU-Öko-Verordnung (Verordnung (EU) 2018/848 vom 30. Mai 2018) ist im Artikel 7 bei den Grundsätzen für die Verarbeitung ökologischer bzw. biologischer Lebensmittel „der Verzicht auf Lebensmittel, die technisch hergestellte Nanomaterialien enthalten oder aus solchen bestehen“ festgelegt. Unter technisch hergestellten Nanomaterialien werden solche verstanden, die gezielt hergestellt werden. Nanomaterialien, die sich unbeabsichtigt bilden oder natürlicherweise enthalten sind, fallen nicht darunter.

Nanomaterialien und ihre möglichen Anwendungen sind in der bisherigen, bis Ende des Jahres 2021 geltenden Fassung (Verordnung (EG) 834/2007) noch nicht erwähnt. Da aber derzeit keine technisch hergestellten Nanomaterialien als Lebensmittelzutaten auf dem Markt sind, sind die Lebensmittel frei davon. Hinzu kommt, dass die Zahl der zulässigen Lebensmittelzusatzstoffe in Bio-Produkten deutlich eingeschränkt ist. Einige Zusatzstoffe können herstellungsbedingt Anteile von Nanomaterialien enthalten.

Dazu gehören Titandioxid (E 171), Eisenoxide und Eisenhydroxide (E 172), Silber (E 174), Gold (E 175), Pflanzenkohle (E 153), Calciumcarbonat (E 170) sowie Siliciumdioxid (E 551), Calciumsilicat (E 552), Magnesiumsilicat (E 553a) und Talkum (E 553b).

In Bio-Lebensmitteln sind aus dieser Liste Pflanzenkohle (E 153), Calciumcarbonat (E 170), Siliciumdioxid (E 551) und Talkum (E 553b) für bestimmte Anwendungen erlaubt. Das umstrittene und kürzlich als nicht mehr sicher in Lebensmitteln eingestufte Titandioxid (E 171) ist dagegen nicht zugelassen. Diese Regelungen finden sich in den Durchführungsvorschriften zur bestehenden und neuen EU-Öko-Verordnung (Verordnung (EG) 889/2008 und Verordnung (EU) 2019/2164). Die ökologischen Anbauverbände haben zum Teil noch strengere Regeln für Zusatzstoffe festgelegt.

Nano bei Bio-Verbänden

Bio-Verbände müssen sich ebenfalls an die Regelungen der EU-Öko-Verordnung halten. Mit ihren Anforderungen gehen sie jedoch in vielen Bereichen darüberhinaus. Was die Nanomaterialien betrifft, gelten hier schon seit Jahren eindeutige Regelungen für Lebensmittel, andere Produkte und Verpackungen. Im Folgenden werden sie am Beispiel der Verbände Bioland, Naturland und Demeter dargestellt. Zum Teil ziehen die Bio-Verbände die Grenze zum Nanomaterial mit 300 Nanometern deutlich strenger als die europäische Gesetzgebung mit 100 Nanometern. So fallen mehr Materialien unter die Definition.

Nach den Richtlinien von Bioland e. V. sollten weder Produkte noch Verpackungsmaterialien technisch hergestellte Nanomaterialien enthalten. Lebensmittel dürfen nicht mit Nanobeschichtungen in Kontakt kommen.

Bei Naturland e. V. ist auf Nanomaterialien in Produkten und Verpackungen entsprechend der Richtlinien ebenfalls zu verzichten. Nanomaterialien dürfen nur dann in Verpackungen verwendet werden, wenn sie fest im Material eingebunden sind. In Beschichtungen, die direkt mit dem Produkt in Berührung kommen, ist der Einsatz verboten.

Demeter e. V. untersagt in seinen Richtlinien grundsätzlich die Anwendung der Nanotechnologie. Zusätzlich weist der Verband daraufhin, dass aufgrund der derzeitigen unzureichenden Nachweis- und Analysemethoden sowie rechtlichen Regelungen nicht ausgeschlossen werden kann, dass Nanomaterialien unbeabsichtigt in Demeter-Produkte gelangen könnten. In Verpackungen dürfen sie nicht verwendet werden.


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