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REACH sieht künftig auch Nanomaterialien

(08.05.2018) Lange war die Europäische Chemikalienverordnung REACH, praktisch blind für Nanomaterialien. Das wird sich nun ändern. Ab 2020 werden auch sie systematisch erfasst und bewertet.


Die Europäische Chemikalienverordnung REACH verpflichtet seit dem Jahr 2007 alle Importeure und Hersteller dazu, die in Europa gehandelten Chemikalien einem Registrierungs- und Prüfverfahren zu unterziehen. Ziel ist es, auf diese Weise genau zu wissen, welche Chemikalien in welchen Formen im Verkehr sind und Gefahren für Verbraucher und Umwelt frühzeitig abzuwenden. Den Nanomaterialien wurde das Regelwerk bislang jedoch nicht gerecht.

Blinde Flecken

Auch Nanomaterialien gehören zu den Chemikalien – doch bisher war REACH für diese Stoffgruppe weitestgehend blind. Denn obwohl die Nanoform bekannter Chemikalien zum Teil deutlich andere Eigenschaften und Wirkungen zeigen, als ihre makroskaligen Varianten, müssen sie bisher nicht eigens registriert und geprüft werden.

Das ganze REACH-Verfahren müssen zudem nur Neustoffe durchlaufen, Nanomaterialien fallen jedoch meist nicht in diese Gruppe, weil ihre Makro-Entsprechungen bereits seit Jahrzehnten am Markt sind. Darüber hinaus werden zurzeit viele Nanomaterialien schon deshalb nicht von REACH „gesehen“, weil sie in sehr geringen Mengen hergestellt und gehandelt werden. Bislang mussten aber nur solche Stoffe registriert werden, die in einer Menge von einer Tonne oder mehr produziert oder importiert werden. Mit der Entscheidung des REACH-Regelungsausschusses der Europäischen Kommission vom April 2018 wird sich das nun ab 2020 ändern.

Nanomaterialien in REACH erfasst

Was lange fehlte, wird nun nachgeholt: In der REACH-Verordnung wird es eine rechtlich verbindliche Definition des Begriffs „Nanomaterial“ geben. Ab Januar 2020 müssen Hersteller, Importeure und nachgeschalteten Anwender von Chemikalien der Europäischen Chemikalienagentur ECHA schon bei der Registrierung von Stoffen detaillierte Informationen darüber geben, ob es sich um Nanoformen oder eigenständige Nanomaterialien handelt. Auf diese Weise sollen Basis-Datensätze entstehen, die die Nanomaterialien eindeutig charakterisieren. Die Registranten von Nanomaterialen werden zudem gefordert sein, weitergehende toxikologische und ökotoxikologische Daten zu diesen Stoffen vorzulegen. Die Vorgaben, für die die dazu zulässigen Prüfmethoden, werden an die Besonderheiten von Nanomaterialien angepasst. „Mögliche Risiken werden sich damit besser bewerten und minimieren lassen. Das ist ein wichtiger Beitrag für den Umwelt- und Verbraucherschutz“, freut sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze, deren Haus sich in den vergangenen Jahren maßgeblich für diese Änderungen stark gemacht hatte.

Hintergrund

Die Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) trat im Jahr 2007 in Kraft, um den Verkehr von Chemikalien in der Europäischen Union mit den hohen Ansprüchen an den Verbraucher- und den Umweltschutz zu verbinden.

Bis dahin hatten Behörden geprüft, ob Chemikalien sicher sind, als diese bereits auf dem Markt waren. Die Hersteller mussten nur dann zusätzliche Informationen bereitstellten, wenn sich bei diesen Prüfungen Zweifel an der Sicherheit für Umwelt und Gesundheit ergaben. Das war langsam, die Informationslage war dürftig und die Kosten dafür lagen bei den Steuerzahlern.

Unter dem Motto „Keine Daten, kein Markt“, kehrte REACH diesen Ansatz um: Seither müssen alle Hersteller und Importeure, die gehandelten Chemikalien registrieren lassen, eine Fülle von Daten in definierter Form und Qualität vorlegen und die Sicherheit der Stoffe nach vorgegebenen Methoden selbst bewerten. Im Auftrag der Europäischen Chemikalienagentur, ECHA, prüfen die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten dann, ob diese Daten und Ergebnisse die geforderte Belastbarkeit haben und geben Bewertungen und Empfehlungen ab. In Deutschland liegt die Bewertung unter Umwelt-Gesichtspunkten beim Umweltbundesamt (UBA), für den Verbraucherschutz ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zuständig und die Belange des Arbeitsschutzes behält die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Auge. Das strenge und sehr komplexe Regelwerk gibt zudem Verbraucherinnen und Verbrauchern das Recht, Informationen über Produkte mit besonders besorgniserregenden Chemikalien zu erhalten und macht es leichter, Regelungen zum Schutz von Verbrauchern und Umwelt zu treffen. Mehr Informationen darüber finden Sie auf den Seiten des UBA www.reach-info.de.


Neugierig? Mehr Meldungen aus der Nano-Welt finden Sie in unserem Archiv.

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