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Titandioxid als Zusatzstoff nicht mehr sicher

(17.05.2021) Der Lebensmittelzusatzstoff Titandioxid (E 171), der als weißer Farbstoff verwendet wird, steht seit einiger Zeit wegen möglicher Gesundheitsrisiken in der Kritik. Vor zwei Jahren sorgte Frankreichs Entscheidung, E 171 deshalb zu verbieten, für heftige Diskussionen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat nun Titandioxid erneut bewertet und wegen seiner möglicherweise erbgutschädigenden Wirkung als nicht mehr sicher eingestuft.

Für ihre Stellungnahme hat die EFSA zahlreiche aktuelle Erkenntnisse ausgewertet. Sie basieren vor allem auf Tierversuchen und anderen wissenschaftlichen Methoden. Untersuchungen zur Wirkung auf die menschliche Gesundheit liegen bisher nicht vor.

Berücksichtigt wurde bei der Bewertung, dass E 171 Nanopartikel enthält, die in der Mehrzahl unter 100, aber über 30 Nanometer groß sind. Insgesamt liegt der Anteil an Partikeln, die kleiner als 100 Nanometer sind, jedoch unter 50 Prozent. Daher gilt Titandioxid bisher nicht als Nanomaterial im rechtlichen Sinne.

Bei der Analyse der Daten stellte die EFSA fest, dass Titandioxid Schädigungen am Erbgut auslösen kann, z. B. an der DNA als Träger der Erbinformation. Genetische Mutationen, d. h. Veränderungen im Erbgut, kann der Stoff jedoch nicht verursachen. Für die Wirkungen auf das Erbgut konnte kein Schwellenwert festgelegt werden, auch hinsichtlich der Partikelgröße nicht. Daher lautet die Schlussfolgerung der EFSA, dass erbgutschädigende Wirkungen von E 171 nicht vollständig ausgeschlossen werden können und sein Einsatz als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr als sicher anzusehen ist.

Wie es weiter geht

Der Ball liegt nun bei der EU-Kommission. Sie entscheidet auf Basis der Stellungnahme, ob Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff weiterhin zugelassen bleibt oder verboten wird. Die für den gesundheitlichen Verbraucherschutz zuständige Bundesministerin Julia Klöckner fordert, dass die Zulassung von E 171 zurückgenommen wird.

Frankreich ist schon einen Schritt weiter und hat das vom 1. Januar bis 31. Dezember 2020 bestehende Verbot für Titandioxid in Lebensmitteln für ein Jahr bis Ende 2021 verlängert.

Foto: www.pixabay.com

Verbraucherinnen und Verbraucher, die Lebensmittel mit Titandioxid meiden möchten, finden auf der Zutatenliste die entsprechenden Informationen. Dort ist der Zusatzstoff als „Farbstoff Titandioxid“ oder „Farbstoff E 171“ angegeben.

Aufgrund der anhaltenden Diskussion über Titandioxid hat bereits im letzten Jahr eine Reihe von Lebensmittelherstellern reagiert und Titandioxid zum Teil aus ihren Rezepturen genommen.

Weitere mögliche Risiken

Die Aufnahme über den Darm ist gering, aber eine Anreicherung im Körper ist möglich. Jedoch gibt es selbst bei hohen Dosen keine Hinweise auf schädigende Wirkungen auf Organe, weder bei Titandioxid noch bei Nano-Titandioxid (mit einer Partikelgröße von über 30 Nanometern). Negative Effekte auf die Fruchtbarkeit sowie auf Entwicklung und Wachstum konnten ebenfalls nicht beobachtet werden.

Weiterhin haben die Untersuchungen der EFSA Hinweise ergeben, dass Titandioxid unerwünschte Effekte auf das Immunsystem, das Nervensystem und Darmzellen (Schädigung der DNA und Bildung von frühen Krebsvorstufen) haben könnte. Bisher gibt es jedoch keine geeigneten Studien, die Aussagen zu einer möglichen krebsauslösenden Wirkung von Titandioxid erlauben.


Mehr erfahren

Die EFSA informiert in diesem Beitrag zur Neubewertung von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff.

Informationen zu der Stellungnahme der EFSA finden Sie in einer Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Außerdem hat das BfR seine FAQ-Liste zu Titandioxid und möglichen gesundheitlichen Risiken entsprechend aktualisiert. 

Hintergründe zu dem seit 2020 geltenden Verbot von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff in Frankreich haben wir in diesem Beitrag für Sie zusammengestellt.


Neugierig? Mehr Meldungen aus der Nano-Welt finden Sie in unserem Archiv.

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